Arthrose ist eine der häufigsten Erkrankungen bei älteren Hunden — und oft auch eine Herausforderung für uns Halter. Ich habe in den letzten Jahren viele Hunde begleitet, bei denen sich die Lebensqualität durch gezielte Physiotherapie deutlich verbessert hat. In diesem Artikel erzähle ich dir, wann Physiotherapie sinnvoll ist, welche Anzeichen darauf hinweisen und welche Übungen bei Arthrose wirklich helfen. Ich schreibe aus der Perspektive eines Tierfreundes und Praxisbeobachtungen, ergänzt um bewährte Methoden, die ich bei Patienten und meinem eigenen Hund ausprobiert habe.
Wann lohnt sich Physiotherapie für meinen Hund?
Physiotherapie ist nicht nur etwas für akute Verletzungen — sie ist eine wertvolle Begleitung bei chronischen Problemen wie Arthrose, aber auch präventiv. Ich empfehle, folgende Situationen als klare Hinweise zu sehen:
- Steifheit nach Ruhe: Dein Hund wirkt morgens oder nach kurzem Liegen unbeweglich, läuft aber nach ein paar Schritten besser.
- Schwierigkeiten beim Aufstehen, Treppensteigen oder Springen: Diese Aktivitäten werden vermeidender oder klappen nicht mehr so wie früher.
- Humpeln oder asymmetrische Belastung: Selbst leichtes Hinken sollte abgeklärt werden.
- Muskelabbau: Auffällig schmale Muskulatur an einem Bein oder in einer Körperregion.
- Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Rückzug oder dass der Hund Berührungen in bestimmten Bereichen meidet.
Ist Arthrose diagnostiziert, kann Physiotherapie Schmerzen lindern, Gelenkbeweglichkeit fördern, Muskeln aufbauen und so die Belastung des Gelenks reduzieren. Wichtig ist: die Therapie muss individuell angepasst werden. Was bei einem Labrador mit Hüftarthrose wirkt, ist nicht unbedingt ideal für einen kleinen Dackel mit Wirbelsäulenproblemen.
Wer sollte die Behandlung leiten?
Bevor du mit Übungen startest, suche Rücksprache mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. In vielen Fällen ist eine Kombination sinnvoll: tierärztliche Diagnostik (Röntgen, evtl. Bluttests) und dann eine Überweisung an eine/n zertifizierte/n Hundetherapeut/in oder Tierphysiotherapeut/in. Ich arbeite gern mit Kolleginnen zusammen, die eine Ausbildung bei Verbänden wie dem Deutschen Tierphysiotherapeuten-Verband oder ähnlichen Instituten haben. Auch spezielle Geräte wie Unterwasserlaufbänder (Hydrotherapie) oder therapeutischer Laser sollten nur unter fachlicher Anleitung eingesetzt werden.
Wichtige Grundprinzipien
- Schmerzorientiert arbeiten: Übungen dürfen den Hund nicht überfordern. Leichte Schmerzen sind vermeidlich, starke Reaktionen sind zu vermeiden.
- Regelmäßigkeit: Kurze tägliche Einheiten bringen oft mehr als seltene lange Sessions.
- Muskelaufbau vor Extrembelastung: Stabile Muskulatur schützt das Gelenk.
- Individuelle Progression: Dauer und Intensität langsam steigern.
Praktische Übungen gegen Arthrose (mit Beschreibung)
Die folgenden Übungen habe ich oft in Reha-Plänen gesehen und selbst umgesetzt. Ich beschreibe sie so, dass du sie zuhause probieren kannst — achte dabei auf Körpersprache deines Hundes und breche ab, wenn er Schmerzen zeigt.
Passive Mobilisation und ROM (Range of Motion)
Ziel: Gelenkbeweglichkeit erhalten.
- Setze dich neben deinen Hund. Führe das betroffene Gelenk langsam in die natürliche Beugungs- und Streckbewegung. Halte 2–3 Sekunden am Ende der Bewegung, dann langsam zurück.
- 10–15 Wiederholungen pro Sitzung, 1–2 Mal täglich. Wichtig: keine ruckartigen Bewegungen.
Muskelaufbau: Sitz-Stand-Übungen
Ziel: Quadrizeps und hintere Muskulatur stärken.
- Bringe den Hund in eine sitzende Position, animiere ihn dann mit einem Leckerli zum Aufstehen. Lasse ihn langsam wieder setzen. 8–12 Wiederholungen, 1–2 Sitzungen täglich.
- Variante: leichtes Hochstellen auf eine niedrige Erhöhung (z. B. stabile Box), um die Intensität zu erhöhen.
Balancetraining
Ziel: Propriozeption, Stabilität und feine Muskelkontrolle fördern.
- Nutze ein Balance-Pad oder eine weiche Matte (auch auf einem zusammengefalteten Handtuch möglich). Lass den Hund kurz darauf stehen, zunächst paar Sekunden, dann die Dauer langsam erhöhen.
- Wichtig: immer in sicherer Umgebung, damit der Hund nicht abrutscht.
Hydrotherapie (Unterwasserlaufband)
Ziel: gelenkschonendes Ausdauer- und Muskeltraining.
Das Wasser trägt einen Teil des Körpergewichts und erlaubt schmerzärmeres Laufen. Viele Hunde profitieren stark davon — allerdings erfordert das Training Fachpersonal und Anpassung von Geschwindigkeit und Wassertiefe. Bekannte Anbieter sind spezialisierte Rehazentren; erkundige dich nach Erfahrungen und Zertifikaten.
Massage und Wärmeanwendungen
Wärme (z. B. Kirschkernkissen, Wärmflasche, kurz angewendet) lockert vor einer Trainingseinheit verspannte Muskeln. Massagen verbessern die Durchblutung und helfen gegen Verklebungen des Gewebes. Ich empfehle kurze, sanfte Streichungen entlang des Muskels und kreisende Bewegungen über schmerzfreien Bereichen. Bei akuten Entzündungen lieber Kühlung und Rücksprache mit dem Tierarzt.
Dehnübungen
Sanfte Dehnungen der betroffenen Muskulatur können die Beweglichkeit unterstützen. Halte jede Dehnung nur 5–10 Sekunden und vermeide ruckartige Bewegungen. Ein Beispiel: bei hinterer Gliedmaße vorsichtig das Sprunggelenk ziehen, bis eine leichte Dehnung spürbar ist, dann loslassen.
Praktischer Wochenplan (Beispiel)
| Tag | Übungen | Dauer / Wiederholungen |
| Mo | Passive ROM, Sitz-Stand, leichte Massage | 10 Min; 3x10; 5 Min |
| Di | Balancetraining, leichte Dehnung | 5 Min; 3x5 Sek |
| Mi | Hydrotherapie oder langer, langsamer Spaziergang | 20–30 Min |
| Do | Passive ROM, Sitz-Stand | 10 Min; 3x10 |
| Fr | Massage, Balancetraining | 10 Min; 5 Min |
| Sa | Aktiver Spaziergang, kontrolliertes Toben wenn möglich | 20–40 Min |
| So | Ruhe & leichte Mobilisation | 5–10 Min |
Welche Hilfsmittel sind nützlich?
- Balance-Pad, Wackelbrett
- Unterwasserlaufband (bei Reha-Zentren)
- Leichte Thera-Bänder für kontrollierten Widerstand
- Wärmflasche/Kirschkernkissen, Kühlpack bei akuten Entzündungen
- Ein gut sitzendes Geschirr statt Halsband zur Schonung der Wirbelsäule
Wann zum Tierarzt zurückkehren?
Wenn Schmerzen zunehmen, Hinken sich verschlechtert, der Hund Fieber bekommt oder die Bewegungsfähigkeit rapide abnimmt, suche sofort tierärztliche Hilfe. Physiotherapie ergänzt die medizinische Behandlung — sie ersetzt keine medikamentöse Schmerztherapie oder operative Maßnahmen, wenn diese notwendig sind.
Ich habe erlebt, wie konsequente Therapiepläne und kleine, tägliche Übungen die Mobilität und Lebensfreude von Hunden deutlich verbessern können. Es braucht Geduld und Beobachtungsgabe, aber die Fortschritte sind oft sehr motivierend — für Hund und Halter gleichermaßen.